Mediencommuniqué

Untersuchung zur Neophyten-Bekämpfung: Schweiz setzt Millionen ineffizient ein

19.06.2012

Eine Analyse von Pro Natura zeigt: Die Schweiz bekämpft die invasiven, gebietsfremden Pflanzenarten ineffizient und bar jeder Strategie. Sie setzt dadurch Millionen Schweizer Franken falsch ein. Zum Anlass der schweizerischen Aktionstage «Arten ohne Grenzen» vom 21. bis 23. Juni fordert Pro Natura eine gezieltere Bekämpfung von invasiven Arten und eine Strategie, die grosses Gewicht auf Prävention und Information der Bevölkerung legt.

 

Der Riesenbärenklau, eine prächtige Pflanze. Kommt die menschliche Haut in Kombination mit Sonnenlicht mit ihr in Berührung, drohen Verbrennungen 3. Grades. Oder der Japanische Knöterich: Er destabilisiert Böschungen und Bauwerke, welche aufwändig wieder instand gestellt werden müssen. Beiden Pflanzen gemeinsam sind zwei Dinge: Sie sind invasive Neophyten (gebietsfremde Pflanzenarten, siehe Box) und sie wuchern, wenn man sie nicht gezielt bekämpft. Nicht alle invasiven Neophyten gefährden die menschliche Gesundheit oder bewirken wirtschaftliche Schäden, doch alle aktuell 45 in der Schweiz bekannten «Invasiven» sind eine Bedrohung der biologischen Vielfalt. Deswegen hat sich die Schweiz international mehrfach verpflichtet, die Verbreitung dieser Pflanzen zu unterbinden.

 

Es braucht eine übergeordnete Strategie

Eine Umfrage bei Experten, Umweltfachstellen und den Gemeinden legt in der Bekämpfung der gebietsfremden Pflanzen beträchtliche Mängel offen. Von den rund 20 Millionen Schweizer Franken, die zur Bekämpfung der Neophyten Schweiz weit eingesetzt werden, bleibt rund die Hälfte annähernd wirkungslos. Die Massnahmen werden ohne übergeordnete Strategie getroffen, das heisst es gibt keine Priorisierung der wichtigsten zu bekämpfenden Arten und der wichtigsten zu schützenden Lebensräume. Auch erfolgen nach getätigten Massnahmen meist keine regelmässigen und langfristig wirksamen Nachkontrollen.

 

Gartencenter verkaufen verbotene Pflanzen

Inbegriff der Ineffizienz ist folgendes Beispiel: Während in Naturschutzgebieten und entlang der Flüsse invasive Neophyten wie der Sommerflieder, die Robinie oder der Kirsch-Lorbeer unter Einsatz hoher Kosten entfernt werden müssen, werden diese in den Gartencentern immer noch verkauft. Aktuelle Stichproben in Gartencentern des Kantons Freiburg durch die kantonale Pro Natura Sektion haben ergeben, dass sogar invasive Arten, deren Verkauf bereits seit 2008 verboten wäre, immer noch in den Regalen stehen. «Die Kantone nehmen ihre Kontrollfunktionen beim Verkauf von verbotenen invasiven Pflanzenarten eindeutig zu wenig wahr», ärgert sich Wolfgang Bischoff, Projektleiter Schutzgebiete bei Pro Natura.

 

Pro Natura fordert zum Anlass der nationalen Aktionstage Neobiota (gebietsfremde Pflanzen und Tiere) mehr Effizienz in der Bekämpfung invasiver Arten, die Ausweitung und konsequente Kontrolle des Verkaufsverbots von invasiven Pflanzen und bessere Information der Bevölkerung sowie eine Strategie, die die vorrangig zu bekämpfenden Arten und zu schützenden Lebensräume festhält. Damit der Einsatz der knappen Mittel für Mensch und Natur Wirkung zeigt. 

 

 
Box:
 

Verschleppt und (ineffizient) bekämpft

Gebietsfremde Pflanzenarten (Neophyten) sind Pflanzenarten, welche seit Ende des 15. Jahrhunderts gezielt oder zufällig in Gebiete eingeführt werden, in denen sie natürlicherweise nicht vorkamen. Dabei werden die Arten über Meere oder Gebirgszüge transportiert, die sie ohne menschliches Zutun nie hätten überwinden können. Einige dieser Arten können Lebensräume dominieren und zur Gefahr für Mensch und Natur werden. Diese Arten nennt man «invasiv». Sie sind weltweit eine Bedrohung für die Biodiversität, richten wirtschaftlichen Schaden an und können die menschliche Gesundheit beeinträchtigen. In der Schweiz werden zurzeit 45 Pflanzenarten als invasiv bezeichnet.

 

Die Schweiz hat sich mit der Ratifizierung der Berner Konvention (1982), der Biodiversitätskonvention von Rio (1992) und der Unterzeichnung des Nagoya-Protokolls (2010) mehrfach international verpflichtet, invasive gebietsfremde Arten zu kontrollieren, zu beseitigen, sowie präventive Massnahmen zu ergreifen. In der Schweiz bildet die 2008 revidierte Freisetzungsverordnung (FrsV) die wichtigste gesetzliche Grundlage. Darin sind verbotene Arten festgehalten.

 

Die Information der Bevölkerung über invasive Neophyten durch die Behörden steht am Anfang. Pro Natura bietet einen Flyer zum richtigen Umgang mit gebietsfremden Pflanzen im eigenen Garten.

 

Link zum Flyer: www.pronatura.ch/biodiversitaet > Pro Natura Ratgeber «Invasive Neophyten im Garten (pdf, 2.7 MB)

 

 

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